Kunde: Eigenverlag
Text: Reportage über Tourneereise Rom

Textauszug

„Die gefährlichste Weltanschauung
ist die Weltanschauung der Leute,
die die Welt nicht angeschaut haben.“
Alexander von Humboldt
Naturforscher und Geograph
1769 – 1859

«Selig in ROM»

Es kam einem Traum schon sehr nahe, was die Sängerinnen und Sänger des Gesangverein Freundschaft Öschelbronn in den letzten Apriltagen in Rom erleben durften. Nach fast endlos scheinender Vorbereitungszeit startet die Chorgemeinschaft, begleitet von einigen „Fans“, am 25. April nach Rom. Zwar haben wir alle ausführliche Reiseunterlagen erhalten, auch ein Dia-Abend informierte im Vorfeld über die Reise, und trotzdem wusste im Kern natürlich niemand, was uns alles erwarten würde.
Hätten wir’s gewusst, dann – da bin ich mir sicher – wäre die Reisegesellschaft noch um einiges größer ausgefallen. Das hätte vor allem dem Chor gut getan, denn die ganze Zeit über, während der Proben, hatten wohl die meisten ein recht flaues Gefühl. „Ob das wohl gutgeht“ konnte man hier und da hören. Oder: „Gott sei Dank kennt uns da keiner und wir sind auch recht schnell wieder weg!“. Als die letzte Probe am Vorabend unserer Abreise in einer kleinen Katastrophe endete, konnte ich den guten Hermann Langenkemper nur bewundern. Er versuchte die Ruhe zu bewahren und die Gruppe zu motivieren unter dem Motto: „Es wird schon werden.“ Das schon, die Frage ist nur, wie wird es werden?
Alle Wege führen nach Rom. Doch glücklicherweise führen heute nicht nur gepflasterte Römerstraßen in die ewige Stadt, sondern auch komfortable, schnelle Luftwege. fünf Tage sind kurz, wir nehmen den Flieger.
Und so trifft sich ein munteres Häufchen Öschelbronner mitten in der noch jungen freitäglichen Nacht an der ‘Sparkasse Öschelbronn’, um mit dem ‘Wolf’ gen Frankfurt zu gondeln. Die meisten nutzen die eineinhalb Stunden, um den versäumten Schlaf etwas nachzuholen. Ich unterhalte mich durchgängig und angeregt mit Edelgard Kälber. Das ließ die Zeit ebenso schnell vergehen.
Irgendwie haben wir das Gefühl, viel zu früh auf dem Flughafen zu sein. Die Schalter der Allitalia haben noch Nachtruhe und erst eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen regt sich erstes Leben am Check-in. Der Rest ist Routine und um sieben Uhr hebt die Maschine ab. Ich sitze neben Helene Velte, die mit der Romreise ihren Jungfernflug erlebt. Später erfahre ich, dass auch Joachims Mutter zum ersten Mal in die Lüfte abhebt und wieder einmal wird mir klar, wie groß doch der Unterschied der Lebensläufe gerade zwischen dieser Generation’ und der meinigen war und ist.
Der Flug verläuft ausgesprochen angenehm ohne jegliche Turbulenzen, allerdings in gewohnter Enge. Froh, dass sich trotzdem kein Kaffee auf die Hose ergoss, keine Butterflecken die Jacke zieren, landen wir pünktlich in Rom ‘Leonardo da Vinci’. Und weil Reisen bildet, erfahren wir noch im Flugzeug, dass der Flughafen zwar so heißt, die Römer ihn aber nur Fiumino nennen, weil er in der Nähe dieses Vorortes liegt.
Erste römische Gelassenheit verlangt man uns dann doch gleich ab, denn das Gepäck lässt eine gute Stunde auf sich warten. Und das obwohl eigentlich gar nix los ist an den Bändern. Wir albern schon darüber, wie lange wir es mit den Klamotten am Leib wohl aushalten und dass man in Rom ja prächtig einkaufen kann, als der Bauch des Aeroporte die Koffer, Taschen und Rucksäcke doch noch ausspuckt.
Draußen erwartet uns ‘Eva’, eine junge Österreicherin, die inzwischen zur Römerin mutiert ist, ihre Herkunft aber weder verleugnen kann, noch mag. Sie ist unser administrativer Guide für die fünf Tage. Sie heißt uns willkommen, geleitet uns zum Transferbus und gibt erste Instruktionen, die – wie könnte es anders sein in Rom – viel mit Verkehr und Taschendieben zu tun haben. Dass diese Hinweise nicht aus der Luft gegriffen sind, sollten einige von uns noch am eigenen Leibe erfahren. Wir schreiben Freitag, den 25. April 2003. Das Abenteuer kann beginnen.

Die Villa Angeli

Ein ‘Hotel’, das schon um 23.30 Uhr die Pforten dicht macht? Das darf doch nicht wahr sein! Die wildesten Spekulationen werden gewälzt, wie wir diese Sperrstunde wohl am besten umgehen könnten. Von Strickleitern ist die Rede, von Fassadenklettern, von Bestechung, oder – die honorigere Variante – eine Schwester für den erweiterten Pfortendienst zu entlohnen. Alles Theorie.
Die Villa Angeli, unsere Bleibe für die nächsten Tage, entpuppt sich als bestens gesichertes Anwesen. Da gibt’s kein Fensterln, kein Kraxeln. Schließlich kennen die Römer ihre Ganoven am besten und wissen, wie man diese außen vor hält. Das mit der Erweiterung der Sperrstunde scheint sich zum Problem auszuweiten. Ansonsten ist das Haus absolut O.K. Man merkt, dass der Eigentümer (der Klerus) solide investiert hat. Alles ist sauber und funktional. In der Substanz zwar älter, aber in den wesentlichen Bereichen gut saniert.
Joachim Seyfried, Walter Zeh und ich haben das einzige Dreibettzimmer ergattert. Doch auch das stellt uns vor keine Probleme, schließlich
müssen wir in diesen Tagen nicht vor den gestrengen Augen unserer Gattinen bestehen.
Die Villa Angeli liegt an der Via Aurelia, nur einige Fußminuten vom Vatikan entfernt. Von unserem Balkon können wir einen ersten kleinen Zipfel der Kuppelspitze des Petersdoms ausmachen. Ein Balkon übrigens, der das halbe Haus umrundet, zu dem ein halbes Dutzend Zimmer Zugang haben. Ich stelle mir vor, welch reger Verkehr hier – zum Beispiel in der Nacht – stattfinden könnte. War das den frommen Betreibern des Hauses nicht klar, oder sieht man derlei Dinge inzwischen etwas weltlicher?
Die Villa Bonus Pastor ist ein ehemaliges Kloster, das – ebenfalls im Besitz der Katholischen Kirche – in ein Hotel umgebaut wurde. Ein Hotel mit gigantischem Speisesaal, unserem Speisesaal. Ein paar Wegminuten die Via Aurelia entlang in Richtung Vatikan, liegt das Anwesen. Wie so viele feudale Gebäude in dieser Stadt, in einer schönen Grünanlage.
Der Tag war schon lang, wir haben Hunger. Die Portionen, so wurden wir vorgewarnt, seien hier reichlich, dazu ein Fünf-Gänge-Menü mit unbeschränktem Flüssigkeitskonsum – das hört sich doch gut an.
Und tatsächlich lässt dieses erste Schlemmen in römischen Gefilden kaum Wünsche offen. Eine kleine Schar, ungemein quirliger und effizient arbeitender Damen und Herren, servieren eine ausgezeichnete Pasta als primo piatti. Dann einen Salat der – nach italiener Art – individuell am Tisch angemacht wird. Als Hauptgericht gibt es einen gedämpften Fleischfladen mit sehr leckeren, wenn auch ausgesprochen fetttriefenden Thymiankartoffeln. Dann wird ein Käseteller aufgetischt und zum Schluss ein durchaus leckeres, weil nicht übermäßig süßes Küchlein.
Dazu Weiß- oder Rotwein (jeweils in der Ausführung ‘Vino di Casa’) bis zum Abwinken und natürlich das obligatorische Wasser. So kann es weitergehen, war die einhellige Meinung aller Öschelbronner.
Ein paar besonders Gewiefte entdecken dann gleich noch die Bar und müssen zwingend Espresso, Cappuccino und Grappa testen. Nur der Herr im Bild vorne rechts reagiert auf meinen Anruf: „Hier gibt’s Freibier“ noch typisch teutonisch.
Der Rest des Anreisetages steht uns nun zur freien Verfügung. Eva hat uns geraten, auf alle Fälle die Kuppel des Petersdomes zu besichtigen. Bessere Vorschläge gibt’s nicht, also machen wir uns auf den Weg.
Wie bei vielen Bauwerken mit gigantischen Ausmaßen, so täuscht man sich auch beim Petersdom gewaltig. Zwar sieht die Kuppel schon aus einiger Entfernung imposant aus, deren wahre Dimension erkennt man aber erst, hat man die Kolonnaden des Petersplatzes durchschritten. Ich glaube, man kann zigmal hierher kommen und wird immer wieder aufs Neue fasziniert und beeindruckt sein von diesem Gebäudekomplex.
Am Sonntag findet eine Großveranstaltung statt. Sechs Frauen und Männer werden selig gesprochen. Also ist der Platz schon heute bestuhlt. Wir wandern die vorgeschriebenen Touristenwege in Richtung Dom und stellen uns in die Schlange all jener, die das gleiche vorhaben wie wir.
Es sieht ganz so aus, als sollte unsere Geduld auf eine erste Probe gestellt werden. Aber noch sind wir voller Tatendrang, lassen uns von ein bisschen Wartezeit nicht verdrießen und trippeln Schub für Schub gen Aufzugsschacht. Vielleicht hätten wir ja auch die ersten Stiegen zu Fuß erklommen, hätten wir gewusst, dass die Selbststeiger sich nicht anstellen müssen. Als wir das aber checken, sind wir schon so gut wie dran. Und schließlich sind die restlichen 320 Stufen – die muss jeder bezwingen, der nach oben will – auch nicht zu verachten.
Und schon wieder zeigt sich, was eine gute Gruppe ausmacht. Zum Beispiel der Umstand, dass es eigentlich keine Langeweile gibt. Gesprächsstoff gibt’s in Hülle und Fülle, auch das eine oder andere Fotomotiv. Die Zeit wird uns also nicht lang bis wir am Aufzug ankommen. Dieser bringt uns erst einmal auf die Galerie in der Kuppel des Petersdomes. Schon von hier aus sind die Menschen unten im Dom nur noch Ameisen. Später – und von unten betrachtet – fällt auf, dass die Galerie sich so weit oben rund um die Kuppel zieht, dass man sie von unten fast gar nicht wahrnimmt. Hier ist eben alles überdimensional.
Allein der Aufstieg auf die obere Plattform ist die 5 Euro Eintrittsgeld wert. Grundsätzlich sollten Menschen, die unter Klaustrophobie leiden, den Aufstieg unterlassen. Nicht nur, dass es kein Zurück mehr gibt, ist man erst auf dem Weg nach oben (von hinten drängen ständig Besucher nach); vor allem wird die Gasse enger und enger. Dann neigt sie sich auch noch nach rechts, denn wir bewegen uns in einem Hohlraum zwischen der äußeren und der inneren Kuppelhülle.
Oben angekommen, empfängt uns römische Enge. Langsam gewöhnt man sich daran, nicht Herr seiner Bewegungen zu sein, sondern einfach weitergeschoben zu werden. Doch es bleiben auch einige Minuten des Verweilens. Der Ausblick über die Stadt ist herrlich. Ich erwische Heini Kieselmann beim (mit Sicherheit verbotenen) Erklimmen einer steinernen Anhöhe und beschließe spontan, Heini beim Fotografieren zu fotografieren. Ein Gag, der sich beim Aufarbeiten einer Story immer gut macht.
Hier oben erwische ich auch unseren Arthur, wie er verklärt über die heilige Stadt äugt.
Nur all zu gerne hätte ich ihm im Nachhinein ein Papstgewand ‘angezogen’, ihn per Fotomontage in den ‘Papa’ verwandelt. Leider fand sich kein geeignetes Bild des Heiligen Vaters, das perspektivisch gepasst hätte. Also begnüge ich mich mit dem Titel ‘Arthuro – Papa Cantate’. Klingt auch nicht schlecht.
Apropos fotografieren. Zum ersten Mal habe ich die Digitalkamera auf
einen Urlaubstrip mitgenommen und bin ganz angetan von deren Qualitäten. Beim späteren Sichten der Ergebnisse stellt sich zwar heraus, dass so manches Bild, das auf dem Mini-Monitor noch überzeugen konnte, bei weitem nicht so gut rauskommt. Allein die Tatsache aber, dass man am Abend all die Bilder wieder löschen kann, die es nicht wert sind aufgehoben zu werden, ist ein großes Plus.
So also sieht sie von oben aus, die ‘Ewige Stadt’, die wir in den nächsten Tagen kreuz und quer durchstreifen sollten. Schon von hier oben eine imposante Kulisse. Und wieder wird mir klar, wie klein die Menschen doch sind, in Anbetracht dieser imensen Dimensionen.
Die Kirchenfürsten wussten schon, wie sie ihren Schäfchen die Größe und Allmacht ihres Gottes vermitteln konnten.
Wieder unten angekommen stellt sich die Frage: „Was tun, mit dem noch jungen Tag.“ Ich schlage vor, einfach noch ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Castello St. Angelo, Ponte St. Angelo, Piazza Navona … Da niemand eine bessere Idee hat, machen wir uns auf die Socken.
Im Gegensatz zu mir – ich könnte stundenlang durch Rom schlendern und würde wahrscheinlich nicht mal bemerken, dass der Magen knurrt – wird der Ruf nach etwas Flüssigem immer lauter.
Schon bei der Engelsburg schauen recht ausgetrocknete Romwanderer in die Linse, haben kaum Augen für die herrlichen Engelsfiguren des großen Bernini und für die Dutzende pechschwarzer Händler mit ihren Sonnenbrillen, afrikanischen Schnitzereien und allerlei anderem Touristentand.
Wir schaffen es gerade noch über die Brücke, entdecken hinten links, gleich nach dem Fußgängerüberweg, so etwas ähnliches wie den Schirm eines ‘Biergartens’ und überschwemmen diese erstbeste Pinte mit Öschelbronner Durst.
Eine zweite Gruppe ausgetrockneter Öschelbronner Kehlen findet sich ein, und mit jedem Schluck ‘Birra alla spina Beck’s’ hellen sich die Gesichter wieder auf, werden neue Lebensgeister geweckt, ist man für weitere Eroberungstaten bereit.
Das Essen verkneifen wir uns noch. Da gibt es bestimmt geeignetere, romantischere, durchaus auch preisgünstigere Plätzchen in der Nähe. Denn so knapp hinter der Engelsburg zahlt der gemeine Tourist eben doch ein bisschen mehr.
Allerdings sollten sich die EUR 4,60 für das 0,4cl Glas Birra bei weitem nicht als
der Spitzenreiter der Wucherskala herausstellen. Doch dazu später mehr.
Unser Weg führt uns
in Richtung Piazza
Navona. Jenem herrlichen Platz, der in der Antike ein Stadion – ähnlich dem Kolloseum – umschloss, und auch heute noch der Caesaren-Maxime ‘Brot und Spiele’ huldigt. Natürlich möchte man so einen Platz gerne in seiner reinen, künstlerisch vollkommenen, also möglichst menschenleeren Schönheit genießen. Diesen Gefallen wollen uns die Römer aber nicht tun. Und wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn schließlich ist Rom ja nicht ausschließlich ein riesiges Fleilichtmuseum, sondern versprüht seinen Charme gerade durch die unkomplizierte Vitalität, das pralle Leben, das selbstverständliche Miteinander von Antike bis zur Gegenwart.
Deshalb müssen wir mit einem stattlichen weißen Zelt leben, das inmitten des Platzes den Touristen den Blick auf Architektur und Brunnen verschandelt, den Römern aber eine mobile Buchmesse (oder ist es ein modernes Antiquariat?) beschert. Deshalb stehlen die Feuerschlucker und Gaukler, die
Robotermenschen in Gestalt von Pharaonen, Aliens oder undefinierbaren Händeschüttlern, die Straßenmusiker und natürlich die Phalanx der Ristorantes und Gelaterias, dem grandiosen historischen Szenario die Schau. Es scheint – bei so viel Trubel – niemanden zu interessieren, dass der 4-Ströme-Brunnen inmitten der Piazza eines der Hauptkunstwerke des legendären Bernini ist. Er zeigt und symbolisiert die vier im 17. Jahrhundert bekannten Erdteile durch deren Ströme Donau (Europa), Nil (Afrika), Rio de la Plata (Nord- und Südamerika und Ganges (Asien). Auch die herrlichen Pallazzi – aus meiner Sicht ürigens viel zu brachial geputzt, so dass sie fast keine historische Identität mehr besitzen – finden kaum einen würdigenden Blick.
Vielleicht ist es aber einfach schon zu spät, die Beine zu müde, der Magen zu leer, um eine derart pralle Fülle an Kultur noch aufnehmen zu können. Also machen wir uns auf den geordneten Rückzug, finden – es ist kurz vor acht Uhr – in einer Nebengasse ein fast leeres Lokal, das sich als Glücksgriff erweist, genießen in fröhlicher Runde die einfache italienische Küche und reichlich vom ‘Vino di casa’ zu 6 Euro den Liter (man vergleiche den Bierpreis vom Nachmittag) und treten rechtzeitig (nicht schon am ersten Tag über die Stränge schlagen) den geordneten Rückzug zur Villa Angeli an.
Heini erweist sich als der geborene Wegweiser und leitet uns sicher ins Hotel. Nur der von ihm favorisierte Autotunnel wird von der Mehrheit der Fußgänger verschmäht. Der erste Tag, schon jetzt prall voll mit Eindrücken und Erlebnissen, ist zu Ende.
Zu Ende? Da war doch noch der Frühstücksraum im Untergeschoss! Auf eine entsprechende Nachfrage schaut uns eine ältere Suora zwar ziemlich verkniffen an, signalisiert, dass hier nix mehr geht, aber Heini wagt den Abstieg in die Katakomben, findet dort eine der jüngeren Schwestern, die durchaus geneigt scheint, uns noch etwas zu verkaufen, und schon sitzt ein harter Kern von Unverzagten im Keller und testet, ob die frommen Frauen unseren all zu weltlichen Bedürfnissen gerecht werden können. Der Test wird bestanden und schon sehen wir den Zapfenstreich von 23.30 Uhr gelassener. Schließlich bietet sich dieses Ambiente wunderbar an, die erlebnisreichen Tage in Rom stilvoll ausklingen zu lassen. Pünktlich um 23.30 Uhr allerdings, stehen zwei resolut dreinschauende Damen in der Türe und signalisieren: „Jetzt reichts – finito!“
Samstag, 26. April 2003
Am Samstagmorgen steht die erste Besichtigungstour an, das ‘Christliche Rom’. Unsere Führerin heißt Heidi, kommt eigentlich aus Wiesbaden, blieb aber vor 10 Jahren, als sie ihr Studium der Islamistik und Kunstgeschichte in Rom fortsetzte, hier hängen. Wie gut kann ich das verstehen! Heidi ist eine Koryphäe, ein wandelndes Kunstlexikon. Unglaublich was sie alles weiß. Am ersten Tag allerdings ist sie etwas mürrisch. Motzt uns an wegen – sicher störender – Unruhe und scheint einen schlechten Tag erwischt zu haben. Tags darauf habe ich versucht, ihr den professionellen Panzer etwas zu knacken, uns zu Menschen zu machen, nicht zu einer anonymen Touristenmasse. Fast rührend, wie sie sich über ein Kompliment freut, das Joachim Seyfried und ich ihr machen. Danach ist sie wesentlich entspannter und – ich sagte es schon – fachlich ist sie ein Ass. Doch zurück zum Samstag.
Die ‘Catacombe S. Domitilla’ liegen heute etwas außerhalb der Innenstadt in einer schönen Grünanlage. Dazu muss man wissen, dass die Römer ihre Toten in der Antike nicht innerhalb der Stadtmauern beerdigen durften. Klassische Friedhöfe gab es nicht. Jeder musste seine Angehörigen auf eigenem oder privatem Grund und Boden begraben. Vielleicht war das der Grund, weshalb vorchristliche Römer sich überwiegend verbrennen ließen. Das Problem des Platzverbrauchs war damit vom Tisch und die Urnen konnte man in Haus und Garten aufbewahren.
Das änderte sich schlagartig mit der Christianisierung Roms. Christen ließen sich erdbestatten. Schließlich glaubte man an die Auferstehung des Leibes. Wohin also mit all den Gebeinen?
Domitilla, Nichte eines Kaisers, war zum christlichen Glauben konvertiert und wurde daraufhin von ihrem Onkel auf eine Insel in der Adria verbannt und eingekerkert. Nach ihrem Tode holte eine Freundin ihren Leichnam nach Rom zurück und stiftete die Katakomben für Domitilla, all ihre Anverwandten, Sklaven und Nachfahren.
Heute erstreckt sich die Katakombe der heiligen Domitilla über 4 Etagen und insgesamt mehr als 12 Kilometer labyrinthartiger Gänge. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese immer weiter in den weichen Tuffstein
geschlagen. War ein Gang voll, wurden Nebengänge angelegt, schien die ‘Etage’ ausgereizt, buddelte man eben eine zweite, später eine dritte und vierte, immer tiefer in das weiche Vulkangestein.
Dreiundsechzig bekannte Katakomben gibt es in Rom. Viele davon sind noch nicht vollständig erkundet und wahrscheinlich liegen noch weitere unentdeckt unter der Erde dieser geschichtsträchtigen Stadt.
Die Katakomben der Domitilla werden übrigens von einem deutschen Orden betreut. Praktisch, denn so konnte uns ein Bruder des Ordens die historischen Begebenheiten erzählen und auch durch ein kurzes Stück der ersten Etage führen.
Das Grausen hielt sich in Grenzen, denn alle Grabnischen sind leer. Nur hie und da ein Häufchen antiker Öllämpchen. Dann eine größere Kammer mit antiken Fresken (der Bruder beharrte darauf, dass die Bilder alle aus den Anfängen der Christianisierung Roms stammen). Ansonsten beeindruckte die Vorstellung, wie es hier wohl einmal ausgesehen und vor allem gerochen haben muss, als die Katakomben noch aktiv genutzt wurden.
Irgendwie habe ich dann versäumt, das eine oder andere Bild der Anlage zu schießen. Ein Blitzgerät habe ich sowieso nicht dabei und der Aufenthalt im Souvenirshop (schließlich hatte ich einen adäquaten Ersatz für den lebensgroßen Marmortorso zu finden, den ein Kunde geordert hatte) bringt den Zeitplan der Gruppe sowieso schon fast wieder ins Wanken. In meiner Not habe ich dann einfach die Papiertüte abgescannt, in der ich mein Öllämpchen verstaut hatte. Besser als nichts!
San Paolo fuori le Mura
Das nächste Ziel am Vormittag war die Basilika St. Paul vor den Mauern. Dies sei – so erfahren wir – das zweitgrößte Gotteshaus in Rom und ebenfalls Vatikanischer Besitz, also exterritoriales Gelände.
Hier, so will es die Geschichtsschreibung, lag der Apostel Paulus begraben. Die Kopie seines marmornen Sarkophagdeckels hängt noch in einem angrenzenden kleinen Museumsraum.
Wäre man nicht in Rom mit seinen imposanten Bauwerken, St. Paul vor den Mauern würde in hohem Maße beeindrucken. So ist es eine wunderschöne Kirche, aber, im Vergleich zum Petersdom, eben doch nur
zweite Liga.
Allerdings muss erwähnt werden, dass die Basilika 1823 bei einem verheerenden Brand fast vollständig zerstört wurde. Viele der einmaligen Kunstschätze gingen damals verloren und es ist überliefert, dass nach der Restauration nie mehr der Geist und die Würde der alten Basilika erreicht wurde.
Ich habe versucht, die Atmosphäre des Innenraumes ein wenig einzufangen. Ohne Blitzgerät ist das nicht so einfach. Die Bilder sind demzufolge wegen der geringen Datendichte etwas unscharf. Ein wenig von dem imposanten Innenraum kommt aber trotzdem rüber. Rundum sind übrigens, in runden Wandgemälden, alle Päpste verewigt, die es seit Petrus gab. Auch Johannes Paul II hängt schon an der Wand und wird – das macht man wohl so mit regierenden Oberhäuptern – von einem Strahler erleuchtet.
23 freie Plätze soll es noch geben. Sind die voll, so will es die Legende, hat es mit unserem Planeten ein Ende.
Die Fenster sind übrigens alle aus Alabaster gefertigt und geben ein wundervolles Licht. Durch die natürlichen Strukturen dieses transluziden Steins muten sie ungemein modern an. Kaum zu glauben, dass auch die schon vor so vielen Jahre gestaltet und gefertigt wurden. Ich konnte mich schwach erinnern, dass mich bei meinem letzten Besuch der Kreuzgang besonders beeindruckt hatte und da vor allem der Säulenhain mit den Werken der Cosmati, jenes Kunsthandwerker- und Künstlerclans, der so für viele einzigartige bauliche Kostbarkeiten sorgte.
Auch diesmal stand ich voll Bewunderung vor diesen kleinen Kunstwerken. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir es hier mit Dimensionen zu tun haben, die man noch erfassen kann. Solch eine Säule hat menschliche Ausmaße, kann von unten bis oben bestaunt, auch begriffen werden und erschlägt einen nicht durch die gewaltige Größe. Auch die Art und Weise, antike Fragmente und Fundstücke in die Wände zu integrieren, hat es mir angetan. Das ist ein stetiger Hort der Inspiration für mich. Bleibt die Frage: Wo bekomme ich die ‘antiken’ Fragmente her, um solch eine Anmutung nachzubauen?!?
Durchaus bemerkenswert ist der Souvenirshop in St. Paul. Zwar wird auch hier der übliche Ramsch angeboten (schließlich müssen am Ende des Tages ja genügend Euros in der Kasse klingeln), es gibt aber auch allerlei Ausgefallenes mit mehr oder weniger klerikalem Touch. Ich nehme für meine beiden Mädchen kleine Glasmosaiken aus Murano mit.
Die kommen zwar aus Venedig, nicht aus Rom, sind aber hübsch.
Die von der gestrengen Heidi zugebilligten 25 Minuten sind um. Alles versammelt sich wieder im Bus und – täusche ich mich, oder ist es so – die erste Besichtigungsmüdigkeit ist in den Gesichtern zu erkennen. Wie gut, dass wir den Rest des Tages frei gestalten können.
Von Trastevere zum Kolosseum
Ganz offensichtlich bin ich derjenige mit den intimsten Romkenntnissen. Eine Gruppe, bestehend aus dem Chor 2000, verstärkt um Arthur
Fischer und Frau Seyfried, schließen sich meinen Vorschlägen an. Und da wir erst am Abend im Bonus Pastor einkehren werden, muss unsere Tour auch einen kulinarischen Stopp beinhalten.
Ich schlage vor, den 46er-Bus zur Piazza Venezia zu nehmen. Von dort über das Kapitol, vorbei am Theater des Marcellus zu Santa Maria in Cosmedin, mit dem berühmten ‘Bocca della verità‘. Weiter über die Tiberinsel bis zur Piazza Santa Maria in Trastevere. Dort kann dann – in herrlich lebendigbunter Atmosphäre – getafelt werden.
Heini Kieselmann erweist sich erneut als pragmatischer Optimierer. Gibt zu bedenken, dass das Mittagessen dann zu weit in den Nachmittag fallen würde und schlägt vor, das Ganze gerade andersrum anzugehen. Recht hat er. Also nehmen wir den Bus Nr. 49 bis zur Piazza Rissortimento, steigen dort um und lassen uns nach Trastevere chauffieren.
Ich habe mir extra mein Superteleobjektiv mitgenommen um evtl. ein wenig Paparazzi spielen zu können, oder die vielen schönen Details rauszupicken, die es in Rom haufenweise zu fotografieren gibt. Allerdings muss ich zugeben, es ist schon ätzend mit so einem ‘Elefantenpimmel’ zu flanieren. Eigentlich müsste man dazu ganz alleine auf Tour gehen und sich ausschließlich der Fotografie widmen. Wir aber sind eine fröhliche Gruppe, die keine Rücksichten auf schnappschuss- oder dekorverliebte Romspinner nehmen kann. Also fotografiere ich zwar mit dem langen Rohr, aber eben nur ein bisschen.
Dem Rest der Gruppe ist die
Suche nach einem Ristorante, das Entdecken eines lauschigen Plätzchens fürs Mittagsmahl wichtiger. Die Mägen knurren, die Überzeugung wächst, auf der Piazza wahrscheinlich keinen Platz für 16 Hungrige zu bekommen, also bevölkern wir ein Lokal auf dem Weg dorthin.
Wie gut, dass man in Rom diesbezüglich eigentlich nichts falsch machen kann. Auch in diesem Lokal ist das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich O.K., die Speisen lecker und der Vino di casa kostet sogar nur 5 Euro pro Liter. Molto bene!
Frisch gestärkt bummeln wir weiter auf antiken Pfaden. Dem Tiber entlang zu dessen schönster Biegung, der Tiberinsel.
Viel Zeit zum Verweilen bleibt allerdings nicht, denn inzwischen haben wir uns entschlossen auch das Kolosseum noch in unsere Tour einzubeziehen. Das werden wir am nächsten Tag nämlich nur von außen besichtigen. Die Gruppe möchte aber gerne einen Blick ins Innere werfen.
Vorbei an vielen pittoresken Ecken, Winkeln, Ruinen. Wir befinden uns hier in jenem Viertel, in dem in der Antike die Handelsschiffe allerlei Waren in die Stadt brachten. Hier waren also die großen Märkte, von denen noch so manches dekorative Fragment das Touristenauge erfreut.
Ich führe die tapferen Romwanderer zu Santa Maria in Cosmedin mit der brühmten Faunmaske ‘Bocca della verità’ (Mund der Wahrheit) aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert, von der die Geschichtsschreiber erzählen, dass all jenen, die einer Lüge überführt waren, die Hand abgebissen wurde (das Schwert des Scharfrichters hat da wohl etwas nachgeholfen). Auf alle Fälle macht sich so ein Foto immer gut im Erinnerungsalbum. Also stellen wir uns in die überschaubare Schlange.
Eine junge Frau mit zu Büscheln gebundenem grasgrünen Haar und Piercingschmuck sticht mir die ganze Zeit ins Auge. Sie will ich gerne vor der Maske erwischen. Hier ist mein Riesentele eher hinderlich. Der Ausschnitt ist zu klein, die Belichtungszeit zu lang.
Leider wird deshalb nur ein Wackelbild daraus. Und trotzdem: Fast wirkt die Szene wie ein Gemälde. Und auf alle Fälle hat hier Faun zu Faun gefunden. Reicht die Antike der Neuzeit die Hand.
Vorbei am Theatro des Marcellus, hoch zum Kapitolsplatz.
Ein Blick auf die legendären Statue der säugenden Wölfin mit Romolus und Remus; ein kurzes Verweilen zwischen der Reiterstatue des Marc Aurel, vor der herrlichen Fassade des Rathauses – übrigens ein Werk von Michelangelo.
Noch schnell ein Blick über das Forum Romanum, das wir morgen noch besuchen werden, weiter an den Kaiserforen vorbei, nähern wir uns dem letzten Ziel des häutigen Tages, dem Kolosseum.
Wir haben Glück, müssen nur wenige Minuten in der Kassenschlange stehen, bevor wir die monumentalen, geschichtsträchtigen Gemäuer betreten dürfen. Auch am Kolosseum wurden, anlässlich des Heiligen Jahres, weit reichende Renovierungen vorgenommen. So gibt es jetzt einen Fahrstuhl, die Besichtigungsgalerien sind neu strukturiert, ca. 20-25% des Bodens sind auf der Höhe des ehemaligen Stadionniveaus mit einer Holzbühne versehen. Auch kann man auf einem Weg mitten über den Bereich gehen, in dem die unterirdischen Räume für die Gladiatoren, die Zellen für die Gefangenen und die Käfige der wilden Tiere untergebracht waren.
Vom Kolosseum gibt’s diesmal kaum Bilder, denn für dieses Monument braucht man eher ein Weitwinkel- denn ein Teleobjektiv. Wie gut, dass Heini hier – wie viele andere Motive auch – aushelfen konnte.
Jeder hat in seiner ‘Festplatte’ im Kopf die Vorstellung dieses gigantischen Bauwerkes. Sicher ist es spannend sich vorzustellen, was hier alles stattgefunden hat. Die Kämpfe: Tier gegen Tier, Tier gegen Mensch und Mensch gegen Mensch. Mit ihrem fast immer grausigen Ende und dem ohrenbetäubenden Johlen der 50.000 auf Sitzplätzen verharrender und weiteren 20.000, sich auf den billigen Stehplätzen drängelnder Römer. Der interessierte Leser nehme also bitte seinen Rom-Reiseführer zur Hand und lese dort nach, wenn’s denn beliebt.
Inzwischen ist es Zeit an die ‘Heimreise’ zu denken. Eigentlich sind wir gut in der Zeit, wir erwischen auch gleich einen Bus, der uns zur Piazza Venezia bringt und von dort – das wissen wir als eingefleischte Romreisende inzwischen – geht der 46er ab, der uns wiederum direkt zur Villa Angeli bringt. Bringen sollte, könnte, müsste; denn wir finden auf der riesigen Piazza Venezia die Haltestelle des 46er nicht!
Dafür finden wir heraus, dass der 82er zur Piazza Rissortimento fährt, und von dort wird uns der 49er sicher zur Via Aurelia bringen.
Genau so kam es dann auch. Leider dauerte alles ein wenig länger als geplant und wir laufen, mehr oder minder verschwitzt, aber ‘just in time’, im Bonus Pastor ein um – welch Überraschung – erneut Fladenfleisch mit Thymiankartoffeln vorgesetzt zu bekommen. Nicht jedem hat’s geschmeckt, aber Schwamm drüber. Wenn das alles ist, was es in diesen Tagen zu kritisieren gibt, können wir uns glücklich schätzen.
Sonntag, 27. April 2003
Heute wird es ein großer Tag werden. Nicht nur, dass bis ca. 14.30 zwei Stadtführungen, das Antike Rom und das Romantische Rom auf dem Programm stehen. Um 17.30 Uhr findet zudem unser Konzert im Petersdom statt.
Wir fahren mit Heidi zum Kolosseum. Sie erzählt von den nur 7 Jahren Bauzeit. Von der Tatsache, dass dieses Stadion schon damals – mittels einer genialen Konstruktion aus Seilen und Segeltuch – überdacht werden konnte. Dass überall dort, wo in der noch stehenden Originalfassade große Löcher klaffen, die Römer nicht nur die Marmorplatten der Verkleidung, sondern auch die Befestigungsbolzen aus Bronze ausgebrochen und recycelt haben. In den Innenraum gehen wir nicht. Dafür bleibt keine Zeit.
Dafür bekommen wir ein paar Minuten, das Kolosseum in Ruhe zu betrachten. Ich muss das nun nicht haben und schnappe mir unser Top-Model Angela, um ein Foto mit den stets um Euros heischenden ‘Papp-Gladiatoren’ zu schießen. Wir kratzen ein Paar Münzen zusammen und ich bittte Edelgard Kälber diese – in der trügerischen Hoffnung bei einer Dame würde es preiswerter – den Herren zu überreichen. Ich knipse meine Bilder, werde bei der Befreiung unserer Schönen aus den Klauen des Unholdes um 10 Euros erleichtert (Fixpreis), sogleich gepackt, mit einem Goldhelm und Schwert versehen und in wilde Kämpfe verwickelt. Ein Mordsspaß das Ganze und die 10 Euro wert. Heidi führt uns die Via Sacra, die Heilige Straße hoch zum Titusbogen, dem kleinsten, der aus der Antike erhaltenen Triumpfbögen. Ich bin etwas irritiert, denn ich kannte den Eingang zum Forum Romanum an anderer Stelle. Noch irritierter bin ich, als mir klar wird, dass die Begehung des Forum keinen Eintritt kostet. Dazu Heidi: «Derlei Dinge ändern sich hier ständig. Den Romführer, den Sie letztes Jahr gekauft haben, können Sie – zumindest in Bezug auf Öffnungszeiten und -Modalitäten – vergessen. Und so lange dieser Bürgermeister regiert, wird es keinen Eintritt fürs Forum geben. Aber wer weiß, wie lange er noch regiert …»
Schade eigentlich, dass es jetzt keine Audioführungen mehr gibt. Heidi erzählt zwar viel von der Bedeutung des Forum als Zentrum der Macht im Römischen Reich, von der Stellung der Vestalinnen, den Tempeln und Foren, aber das Meiste ist auch schnell wieder aus dem Kopf.
Auch heute habe ich wieder nur ein Teleobjektiv dabei, wenn auch ein kleineres. Also wieder nur Details. So zum Beispiel das noch im Original erhaltene Bronzetor des Romolus-Tempels. Immerhin auch schon 1.700 Jahre alt. Man kann davon ausgehen, dass alle Monumente, die noch heute in so gutem Zustand erhalten sind, dies nur der Tatsache verdanken, dass irgendein Kaiser sie zu christlichen Kirchen umfunktioniert hat. So auch das Portal des Romolus-Tempels, das heute die Rückwand einer Kirche darstellt.


Was Rom für die Entwicklung Europas bedeutet hat und noch immer bedeutet, wird an einem banalen Detail sichtbar. Schaut man heute auf die Kanaldeckel der Stadt, wird man überall die vier Buchstaben SPQR lesen. „Senatus Populus que Romanum“, dem Senat und dem Volk von Rom“. Exakt jener Inschrift also, die schon auf dem Apollotempel im Forum in Marmor

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