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Kunde:
Eigenverlag
Text: Reportage über Tourneereise Rom
Textauszug
„Die
gefährlichste Weltanschauung
ist die Weltanschauung der Leute,
die die Welt nicht angeschaut haben.“
Alexander von Humboldt
Naturforscher und Geograph
1769 – 1859
«Selig
in ROM»
Es
kam einem Traum schon sehr nahe, was die Sängerinnen
und Sänger des Gesangverein Freundschaft Öschelbronn
in den letzten Apriltagen in Rom erleben durften. Nach fast
endlos scheinender Vorbereitungszeit startet die Chorgemeinschaft,
begleitet von einigen „Fans“, am 25. April nach
Rom. Zwar haben wir alle ausführliche Reiseunterlagen
erhalten, auch ein Dia-Abend informierte im Vorfeld über
die Reise, und trotzdem wusste im Kern natürlich niemand,
was uns alles erwarten würde.
Hätten wir’s gewusst, dann – da bin ich mir
sicher – wäre die Reisegesellschaft noch um einiges
größer ausgefallen. Das hätte vor allem dem
Chor gut getan, denn die ganze Zeit über, während
der Proben, hatten wohl die meisten ein recht flaues Gefühl.
„Ob das wohl gutgeht“ konnte man hier und da hören.
Oder: „Gott sei Dank kennt uns da keiner und wir sind
auch recht schnell wieder weg!“. Als die letzte Probe
am Vorabend unserer Abreise in einer kleinen Katastrophe endete,
konnte ich den guten Hermann Langenkemper nur bewundern. Er
versuchte die Ruhe zu bewahren und die Gruppe zu motivieren
unter dem Motto: „Es wird schon werden.“ Das schon,
die Frage ist nur, wie wird es werden?
Alle Wege führen nach Rom. Doch glücklicherweise
führen heute nicht nur gepflasterte Römerstraßen
in die ewige Stadt, sondern auch komfortable, schnelle Luftwege.
fünf Tage sind kurz, wir nehmen den Flieger.
Und so trifft sich ein munteres Häufchen Öschelbronner
mitten in der noch jungen freitäglichen Nacht an der
‘Sparkasse Öschelbronn’, um mit dem ‘Wolf’
gen Frankfurt zu gondeln. Die meisten nutzen die eineinhalb
Stunden, um den versäumten Schlaf etwas nachzuholen.
Ich unterhalte mich durchgängig und angeregt mit Edelgard
Kälber. Das ließ die Zeit ebenso schnell vergehen.
Irgendwie haben wir das Gefühl, viel zu früh auf
dem Flughafen zu sein. Die Schalter der Allitalia haben noch
Nachtruhe und erst eine halbe Stunde nach unserem Eintreffen
regt sich erstes Leben am Check-in. Der Rest ist Routine und
um sieben Uhr hebt die Maschine ab. Ich sitze neben Helene
Velte, die mit der Romreise ihren Jungfernflug erlebt. Später
erfahre ich, dass auch Joachims Mutter zum ersten Mal in die
Lüfte abhebt und wieder einmal wird mir klar, wie groß
doch der Unterschied der Lebensläufe gerade zwischen
dieser Generation’ und der meinigen war und ist.
Der Flug verläuft ausgesprochen angenehm ohne jegliche
Turbulenzen, allerdings in gewohnter Enge. Froh, dass sich
trotzdem kein Kaffee auf die Hose ergoss, keine Butterflecken
die Jacke zieren, landen wir pünktlich in Rom ‘Leonardo
da Vinci’. Und weil Reisen bildet, erfahren wir noch
im Flugzeug, dass der Flughafen zwar so heißt, die Römer
ihn aber nur Fiumino nennen, weil er in der Nähe dieses
Vorortes liegt.
Erste römische Gelassenheit verlangt man uns dann doch
gleich ab, denn das Gepäck lässt eine gute Stunde
auf sich warten. Und das obwohl eigentlich gar nix los ist
an den Bändern. Wir albern schon darüber, wie lange
wir es mit den Klamotten am Leib wohl aushalten und dass man
in Rom ja prächtig einkaufen kann, als der Bauch des
Aeroporte die Koffer, Taschen und Rucksäcke doch noch
ausspuckt.
Draußen erwartet uns ‘Eva’, eine junge Österreicherin,
die inzwischen zur Römerin mutiert ist, ihre Herkunft
aber weder verleugnen kann, noch mag. Sie ist unser administrativer
Guide für die fünf Tage. Sie heißt uns willkommen,
geleitet uns zum Transferbus und gibt erste Instruktionen,
die – wie könnte es anders sein in Rom –
viel mit Verkehr und Taschendieben zu tun haben. Dass diese
Hinweise nicht aus der Luft gegriffen sind, sollten einige
von uns noch am eigenen Leibe erfahren. Wir schreiben Freitag,
den 25. April 2003. Das Abenteuer kann beginnen.
Die
Villa Angeli
Ein
‘Hotel’, das schon um 23.30 Uhr die Pforten dicht
macht? Das darf doch nicht wahr sein! Die wildesten Spekulationen
werden gewälzt, wie wir diese Sperrstunde wohl am besten
umgehen könnten. Von Strickleitern ist die Rede, von
Fassadenklettern, von Bestechung, oder – die honorigere
Variante – eine Schwester für den erweiterten Pfortendienst
zu entlohnen. Alles Theorie.
Die Villa Angeli, unsere Bleibe für die nächsten
Tage, entpuppt sich als bestens gesichertes Anwesen. Da gibt’s
kein Fensterln, kein Kraxeln. Schließlich kennen die
Römer ihre Ganoven am besten und wissen, wie man diese
außen vor hält. Das mit der Erweiterung der Sperrstunde
scheint sich zum Problem auszuweiten. Ansonsten ist das Haus
absolut O.K. Man merkt, dass der Eigentümer (der Klerus)
solide investiert hat. Alles ist sauber und funktional. In
der Substanz zwar älter, aber in den wesentlichen Bereichen
gut saniert.
Joachim Seyfried, Walter Zeh und ich haben das einzige Dreibettzimmer
ergattert. Doch auch das stellt uns vor keine Probleme, schließlich
müssen wir in diesen Tagen nicht vor den gestrengen Augen
unserer Gattinen bestehen.
Die Villa Angeli liegt an der Via Aurelia, nur einige Fußminuten
vom Vatikan entfernt. Von unserem Balkon können wir einen
ersten kleinen Zipfel der Kuppelspitze des Petersdoms ausmachen.
Ein Balkon übrigens, der das halbe Haus umrundet, zu
dem ein halbes Dutzend Zimmer Zugang haben. Ich stelle mir
vor, welch reger Verkehr hier – zum Beispiel in der
Nacht – stattfinden könnte. War das den frommen
Betreibern des Hauses nicht klar, oder sieht man derlei Dinge
inzwischen etwas weltlicher?
Die Villa Bonus Pastor ist ein ehemaliges Kloster, das –
ebenfalls im Besitz der Katholischen Kirche – in ein
Hotel umgebaut wurde. Ein Hotel mit gigantischem Speisesaal,
unserem Speisesaal. Ein paar Wegminuten die Via Aurelia entlang
in Richtung Vatikan, liegt das Anwesen. Wie so viele feudale
Gebäude in dieser Stadt, in einer schönen Grünanlage.
Der Tag war schon lang, wir haben Hunger. Die Portionen, so
wurden wir vorgewarnt, seien hier reichlich, dazu ein Fünf-Gänge-Menü
mit unbeschränktem Flüssigkeitskonsum – das
hört sich doch gut an.
Und tatsächlich lässt dieses erste Schlemmen in
römischen Gefilden kaum Wünsche offen. Eine kleine
Schar, ungemein quirliger und effizient arbeitender Damen
und Herren, servieren eine ausgezeichnete Pasta als primo
piatti. Dann einen Salat der – nach italiener Art –
individuell am Tisch angemacht wird. Als Hauptgericht gibt
es einen gedämpften Fleischfladen mit sehr leckeren,
wenn auch ausgesprochen fetttriefenden Thymiankartoffeln.
Dann wird ein Käseteller aufgetischt und zum Schluss
ein durchaus leckeres, weil nicht übermäßig
süßes Küchlein.
Dazu Weiß- oder Rotwein (jeweils in der Ausführung
‘Vino di Casa’) bis zum Abwinken und natürlich
das obligatorische Wasser. So kann es weitergehen, war die
einhellige Meinung aller Öschelbronner.
Ein paar besonders Gewiefte entdecken dann gleich noch die
Bar und müssen zwingend Espresso, Cappuccino und Grappa
testen. Nur der Herr im Bild vorne rechts reagiert auf meinen
Anruf: „Hier gibt’s Freibier“ noch typisch
teutonisch.
Der Rest des Anreisetages steht uns nun zur freien Verfügung.
Eva hat uns geraten, auf alle Fälle die Kuppel des Petersdomes
zu besichtigen. Bessere Vorschläge gibt’s nicht,
also machen wir uns auf den Weg.
Wie bei vielen Bauwerken mit gigantischen Ausmaßen,
so täuscht man sich auch beim Petersdom gewaltig. Zwar
sieht die Kuppel schon aus einiger Entfernung imposant aus,
deren wahre Dimension erkennt man aber erst, hat man die Kolonnaden
des Petersplatzes durchschritten. Ich glaube, man kann zigmal
hierher kommen und wird immer wieder aufs Neue fasziniert
und beeindruckt sein von diesem Gebäudekomplex.
Am Sonntag findet eine Großveranstaltung statt. Sechs
Frauen und Männer werden selig gesprochen. Also ist der
Platz schon heute bestuhlt. Wir wandern die vorgeschriebenen
Touristenwege in Richtung Dom und stellen uns in die Schlange
all jener, die das gleiche vorhaben wie wir.
Es sieht ganz so aus, als sollte unsere Geduld auf eine erste
Probe gestellt werden. Aber noch sind wir voller Tatendrang,
lassen uns von ein bisschen Wartezeit nicht verdrießen
und trippeln Schub für Schub gen Aufzugsschacht. Vielleicht
hätten wir ja auch die ersten Stiegen zu Fuß erklommen,
hätten wir gewusst, dass die Selbststeiger sich nicht
anstellen müssen. Als wir das aber checken, sind wir
schon so gut wie dran. Und schließlich sind die restlichen
320 Stufen – die muss jeder bezwingen, der nach oben
will – auch nicht zu verachten.
Und schon wieder zeigt sich, was eine gute Gruppe ausmacht.
Zum Beispiel der Umstand, dass es eigentlich keine Langeweile
gibt. Gesprächsstoff gibt’s in Hülle und Fülle,
auch das eine oder andere Fotomotiv. Die Zeit wird uns also
nicht lang bis wir am Aufzug ankommen. Dieser bringt uns erst
einmal auf die Galerie in der Kuppel des Petersdomes. Schon
von hier aus sind die Menschen unten im Dom nur noch Ameisen.
Später – und von unten betrachtet – fällt
auf, dass die Galerie sich so weit oben rund um die Kuppel
zieht, dass man sie von unten fast gar nicht wahrnimmt. Hier
ist eben alles überdimensional.
Allein der Aufstieg auf die obere Plattform ist die 5 Euro
Eintrittsgeld wert. Grundsätzlich sollten Menschen, die
unter Klaustrophobie leiden, den Aufstieg unterlassen. Nicht
nur, dass es kein Zurück mehr gibt, ist man erst auf
dem Weg nach oben (von hinten drängen ständig Besucher
nach); vor allem wird die Gasse enger und enger. Dann neigt
sie sich auch noch nach rechts, denn wir bewegen uns in einem
Hohlraum zwischen der äußeren und der inneren Kuppelhülle.
Oben angekommen, empfängt uns römische Enge. Langsam
gewöhnt man sich daran, nicht Herr seiner Bewegungen
zu sein, sondern einfach weitergeschoben zu werden. Doch es
bleiben auch einige Minuten des Verweilens. Der Ausblick über
die Stadt ist herrlich. Ich erwische Heini Kieselmann beim
(mit Sicherheit verbotenen) Erklimmen einer steinernen Anhöhe
und beschließe spontan, Heini beim Fotografieren zu
fotografieren. Ein Gag, der sich beim Aufarbeiten einer Story
immer gut macht.
Hier oben erwische ich auch unseren Arthur, wie er verklärt
über die heilige Stadt äugt.
Nur all zu gerne hätte ich ihm im Nachhinein ein Papstgewand
‘angezogen’, ihn per Fotomontage in den ‘Papa’
verwandelt. Leider fand sich kein geeignetes Bild des Heiligen
Vaters, das perspektivisch gepasst hätte. Also begnüge
ich mich mit dem Titel ‘Arthuro – Papa Cantate’.
Klingt auch nicht schlecht.
Apropos fotografieren. Zum ersten Mal habe ich die Digitalkamera
auf
einen Urlaubstrip mitgenommen und bin ganz angetan von deren
Qualitäten. Beim späteren Sichten der Ergebnisse
stellt sich zwar heraus, dass so manches Bild, das auf dem
Mini-Monitor noch überzeugen konnte, bei weitem nicht
so gut rauskommt. Allein die Tatsache aber, dass man am Abend
all die Bilder wieder löschen kann, die es nicht wert
sind aufgehoben zu werden, ist ein großes Plus.
So also sieht sie von oben aus, die ‘Ewige Stadt’,
die wir in den nächsten Tagen kreuz und quer durchstreifen
sollten. Schon von hier oben eine imposante Kulisse. Und wieder
wird mir klar, wie klein die Menschen doch sind, in Anbetracht
dieser imensen Dimensionen.
Die Kirchenfürsten wussten schon, wie sie ihren Schäfchen
die Größe und Allmacht ihres Gottes vermitteln
konnten.
Wieder unten angekommen stellt sich die Frage: „Was
tun, mit dem noch jungen Tag.“ Ich schlage vor, einfach
noch ein wenig durch die Stadt zu spazieren. Castello St.
Angelo, Ponte St. Angelo, Piazza Navona … Da niemand
eine bessere Idee hat, machen wir uns auf die Socken.
Im Gegensatz zu mir – ich könnte stundenlang durch
Rom schlendern und würde wahrscheinlich nicht mal bemerken,
dass der Magen knurrt – wird der Ruf nach etwas Flüssigem
immer lauter.
Schon bei der Engelsburg schauen recht ausgetrocknete Romwanderer
in die Linse, haben kaum Augen für die herrlichen Engelsfiguren
des großen Bernini und für die Dutzende pechschwarzer
Händler mit ihren Sonnenbrillen, afrikanischen Schnitzereien
und allerlei anderem Touristentand.
Wir schaffen es gerade noch über die Brücke, entdecken
hinten links, gleich nach dem Fußgängerüberweg,
so etwas ähnliches wie den Schirm eines ‘Biergartens’
und überschwemmen diese erstbeste Pinte mit Öschelbronner
Durst.
Eine zweite Gruppe ausgetrockneter Öschelbronner Kehlen
findet sich ein, und mit jedem Schluck ‘Birra alla spina
Beck’s’ hellen sich die Gesichter wieder auf,
werden neue Lebensgeister geweckt, ist man für weitere
Eroberungstaten bereit.
Das Essen verkneifen wir uns noch. Da gibt es bestimmt geeignetere,
romantischere, durchaus auch preisgünstigere Plätzchen
in der Nähe. Denn so knapp hinter der Engelsburg zahlt
der gemeine Tourist eben doch ein bisschen mehr.
Allerdings sollten sich die EUR 4,60 für das 0,4cl Glas
Birra bei weitem nicht als
der Spitzenreiter der Wucherskala herausstellen. Doch dazu
später mehr.
Unser Weg führt uns
in Richtung Piazza
Navona. Jenem herrlichen Platz, der in der Antike ein Stadion
– ähnlich dem Kolloseum – umschloss, und
auch heute noch der Caesaren-Maxime ‘Brot und Spiele’
huldigt. Natürlich möchte man so einen Platz gerne
in seiner reinen, künstlerisch vollkommenen, also möglichst
menschenleeren Schönheit genießen. Diesen Gefallen
wollen uns die Römer aber nicht tun. Und wahrscheinlich
ist das auch gut so. Denn schließlich ist Rom ja nicht
ausschließlich ein riesiges Fleilichtmuseum, sondern
versprüht seinen Charme gerade durch die unkomplizierte
Vitalität, das pralle Leben, das selbstverständliche
Miteinander von Antike bis zur Gegenwart.
Deshalb müssen wir mit einem stattlichen weißen
Zelt leben, das inmitten des Platzes den Touristen den Blick
auf Architektur und Brunnen verschandelt, den Römern
aber eine mobile Buchmesse (oder ist es ein modernes Antiquariat?)
beschert. Deshalb stehlen die Feuerschlucker und Gaukler,
die
Robotermenschen in Gestalt von Pharaonen, Aliens oder undefinierbaren
Händeschüttlern, die Straßenmusiker und natürlich
die Phalanx der Ristorantes und Gelaterias, dem grandiosen
historischen Szenario die Schau. Es scheint – bei so
viel Trubel – niemanden zu interessieren, dass der 4-Ströme-Brunnen
inmitten der Piazza eines der Hauptkunstwerke des legendären
Bernini ist. Er zeigt und symbolisiert die vier im 17. Jahrhundert
bekannten Erdteile durch deren Ströme Donau (Europa),
Nil (Afrika), Rio de la Plata (Nord- und Südamerika und
Ganges (Asien). Auch die herrlichen Pallazzi – aus meiner
Sicht ürigens viel zu brachial geputzt, so dass sie fast
keine historische Identität mehr besitzen – finden
kaum einen würdigenden Blick.
Vielleicht ist es aber einfach schon zu spät, die Beine
zu müde, der Magen zu leer, um eine derart pralle Fülle
an Kultur noch aufnehmen zu können. Also machen wir uns
auf den geordneten Rückzug, finden – es ist kurz
vor acht Uhr – in einer Nebengasse ein fast leeres Lokal,
das sich als Glücksgriff erweist, genießen in fröhlicher
Runde die einfache italienische Küche und reichlich vom
‘Vino di casa’ zu 6 Euro den Liter (man vergleiche
den Bierpreis vom Nachmittag) und treten rechtzeitig (nicht
schon am ersten Tag über die Stränge schlagen) den
geordneten Rückzug zur Villa Angeli an.
Heini erweist sich als der geborene Wegweiser und leitet uns
sicher ins Hotel. Nur der von ihm favorisierte Autotunnel
wird von der Mehrheit der Fußgänger verschmäht.
Der erste Tag, schon jetzt prall voll mit Eindrücken
und Erlebnissen, ist zu Ende.
Zu Ende? Da war doch noch der Frühstücksraum im
Untergeschoss! Auf eine entsprechende Nachfrage schaut uns
eine ältere Suora zwar ziemlich verkniffen an, signalisiert,
dass hier nix mehr geht, aber Heini wagt den Abstieg in die
Katakomben, findet dort eine der jüngeren Schwestern,
die durchaus geneigt scheint, uns noch etwas zu verkaufen,
und schon sitzt ein harter Kern von Unverzagten im Keller
und testet, ob die frommen Frauen unseren all zu weltlichen
Bedürfnissen gerecht werden können. Der Test wird
bestanden und schon sehen wir den Zapfenstreich von 23.30
Uhr gelassener. Schließlich bietet sich dieses Ambiente
wunderbar an, die erlebnisreichen Tage in Rom stilvoll ausklingen
zu lassen. Pünktlich um 23.30 Uhr allerdings, stehen
zwei resolut dreinschauende Damen in der Türe und signalisieren:
„Jetzt reichts – finito!“
Samstag, 26. April 2003
Am Samstagmorgen steht die erste Besichtigungstour an, das
‘Christliche Rom’. Unsere Führerin heißt
Heidi, kommt eigentlich aus Wiesbaden, blieb aber vor 10 Jahren,
als sie ihr Studium der Islamistik und Kunstgeschichte in
Rom fortsetzte, hier hängen. Wie gut kann ich das verstehen!
Heidi ist eine Koryphäe, ein wandelndes Kunstlexikon.
Unglaublich was sie alles weiß. Am ersten Tag allerdings
ist sie etwas mürrisch. Motzt uns an wegen – sicher
störender – Unruhe und scheint einen schlechten
Tag erwischt zu haben. Tags darauf habe ich versucht, ihr
den professionellen Panzer etwas zu knacken, uns zu Menschen
zu machen, nicht zu einer anonymen Touristenmasse. Fast rührend,
wie sie sich über ein Kompliment freut, das Joachim Seyfried
und ich ihr machen. Danach ist sie wesentlich entspannter
und – ich sagte es schon – fachlich ist sie ein
Ass. Doch zurück zum Samstag.
Die ‘Catacombe S. Domitilla’ liegen heute etwas
außerhalb der Innenstadt in einer schönen Grünanlage.
Dazu muss man wissen, dass die Römer ihre Toten in der
Antike nicht innerhalb der Stadtmauern beerdigen durften.
Klassische Friedhöfe gab es nicht. Jeder musste seine
Angehörigen auf eigenem oder privatem Grund und Boden
begraben. Vielleicht war das der Grund, weshalb vorchristliche
Römer sich überwiegend verbrennen ließen.
Das Problem des Platzverbrauchs war damit vom Tisch und die
Urnen konnte man in Haus und Garten aufbewahren.
Das änderte sich schlagartig mit der Christianisierung
Roms. Christen ließen sich erdbestatten. Schließlich
glaubte man an die Auferstehung des Leibes. Wohin also mit
all den Gebeinen?
Domitilla, Nichte eines Kaisers, war zum christlichen Glauben
konvertiert und wurde daraufhin von ihrem Onkel auf eine Insel
in der Adria verbannt und eingekerkert. Nach ihrem Tode holte
eine Freundin ihren Leichnam nach Rom zurück und stiftete
die Katakomben für Domitilla, all ihre Anverwandten,
Sklaven und Nachfahren.
Heute erstreckt sich die Katakombe der heiligen Domitilla
über 4 Etagen und insgesamt mehr als 12 Kilometer labyrinthartiger
Gänge. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese immer weiter
in den weichen Tuffstein
geschlagen. War ein Gang voll, wurden Nebengänge angelegt,
schien die ‘Etage’ ausgereizt, buddelte man eben
eine zweite, später eine dritte und vierte, immer tiefer
in das weiche Vulkangestein.
Dreiundsechzig bekannte Katakomben gibt es in Rom. Viele davon
sind noch nicht vollständig erkundet und wahrscheinlich
liegen noch weitere unentdeckt unter der Erde dieser geschichtsträchtigen
Stadt.
Die Katakomben der Domitilla werden übrigens von einem
deutschen Orden betreut. Praktisch, denn so konnte uns ein
Bruder des Ordens die historischen Begebenheiten erzählen
und auch durch ein kurzes Stück der ersten Etage führen.
Das Grausen hielt sich in Grenzen, denn alle Grabnischen sind
leer. Nur hie und da ein Häufchen antiker Öllämpchen.
Dann eine größere Kammer mit antiken Fresken (der
Bruder beharrte darauf, dass die Bilder alle aus den Anfängen
der Christianisierung Roms stammen). Ansonsten beeindruckte
die Vorstellung, wie es hier wohl einmal ausgesehen und vor
allem gerochen haben muss, als die Katakomben noch aktiv genutzt
wurden.
Irgendwie habe ich dann versäumt, das eine oder andere
Bild der Anlage zu schießen. Ein Blitzgerät habe
ich sowieso nicht dabei und der Aufenthalt im Souvenirshop
(schließlich hatte ich einen adäquaten Ersatz für
den lebensgroßen Marmortorso zu finden, den ein Kunde
geordert hatte) bringt den Zeitplan der Gruppe sowieso schon
fast wieder ins Wanken. In meiner Not habe ich dann einfach
die Papiertüte abgescannt, in der ich mein Öllämpchen
verstaut hatte. Besser als nichts!
San Paolo fuori le Mura
Das nächste Ziel am Vormittag war die Basilika St. Paul
vor den Mauern. Dies sei – so erfahren wir – das
zweitgrößte Gotteshaus in Rom und ebenfalls Vatikanischer
Besitz, also exterritoriales Gelände.
Hier, so will es die Geschichtsschreibung, lag der Apostel
Paulus begraben. Die Kopie seines marmornen Sarkophagdeckels
hängt noch in einem angrenzenden kleinen Museumsraum.
Wäre man nicht in Rom mit seinen imposanten Bauwerken,
St. Paul vor den Mauern würde in hohem Maße beeindrucken.
So ist es eine wunderschöne Kirche, aber, im Vergleich
zum Petersdom, eben doch nur
zweite Liga.
Allerdings muss erwähnt werden, dass die Basilika 1823
bei einem verheerenden Brand fast vollständig zerstört
wurde. Viele der einmaligen Kunstschätze gingen damals
verloren und es ist überliefert, dass nach der Restauration
nie mehr der Geist und die Würde der alten Basilika erreicht
wurde.
Ich habe versucht, die Atmosphäre des Innenraumes ein
wenig einzufangen. Ohne Blitzgerät ist das nicht so einfach.
Die Bilder sind demzufolge wegen der geringen Datendichte
etwas unscharf. Ein wenig von dem imposanten Innenraum kommt
aber trotzdem rüber. Rundum sind übrigens, in runden
Wandgemälden, alle Päpste verewigt, die es seit
Petrus gab. Auch Johannes Paul II hängt schon an der
Wand und wird – das macht man wohl so mit regierenden
Oberhäuptern – von einem Strahler erleuchtet.
23 freie Plätze soll es noch geben. Sind die voll, so
will es die Legende, hat es mit unserem Planeten ein Ende.
Die Fenster sind übrigens alle aus Alabaster gefertigt
und geben ein wundervolles Licht. Durch die natürlichen
Strukturen dieses transluziden Steins muten sie ungemein modern
an. Kaum zu glauben, dass auch die schon vor so vielen Jahre
gestaltet und gefertigt wurden. Ich konnte mich schwach erinnern,
dass mich bei meinem letzten Besuch der Kreuzgang besonders
beeindruckt hatte und da vor allem der Säulenhain mit
den Werken der Cosmati, jenes Kunsthandwerker- und Künstlerclans,
der so für viele einzigartige bauliche Kostbarkeiten
sorgte.
Auch diesmal stand ich voll Bewunderung vor diesen kleinen
Kunstwerken. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir es hier
mit Dimensionen zu tun haben, die man noch erfassen kann.
Solch eine Säule hat menschliche Ausmaße, kann
von unten bis oben bestaunt, auch begriffen werden und erschlägt
einen nicht durch die gewaltige Größe. Auch die
Art und Weise, antike Fragmente und Fundstücke in die
Wände zu integrieren, hat es mir angetan. Das ist ein
stetiger Hort der Inspiration für mich. Bleibt die Frage:
Wo bekomme ich die ‘antiken’ Fragmente her, um
solch eine Anmutung nachzubauen?!?
Durchaus bemerkenswert ist der Souvenirshop in St. Paul. Zwar
wird auch hier der übliche Ramsch angeboten (schließlich
müssen am Ende des Tages ja genügend Euros in der
Kasse klingeln), es gibt aber auch allerlei Ausgefallenes
mit mehr oder weniger klerikalem Touch. Ich nehme für
meine beiden Mädchen kleine Glasmosaiken aus Murano mit.
Die kommen zwar aus Venedig, nicht aus Rom, sind aber hübsch.
Die von der gestrengen Heidi zugebilligten 25 Minuten sind
um. Alles versammelt sich wieder im Bus und – täusche
ich mich, oder ist es so – die erste Besichtigungsmüdigkeit
ist in den Gesichtern zu erkennen. Wie gut, dass wir den Rest
des Tages frei gestalten können.
Von Trastevere zum Kolosseum
Ganz offensichtlich bin ich derjenige mit den intimsten Romkenntnissen.
Eine Gruppe, bestehend aus dem Chor 2000, verstärkt um
Arthur
Fischer und Frau Seyfried, schließen sich meinen Vorschlägen
an. Und da wir erst am Abend im Bonus Pastor einkehren werden,
muss unsere Tour auch einen kulinarischen Stopp beinhalten.
Ich schlage vor, den 46er-Bus zur Piazza Venezia zu nehmen.
Von dort über das Kapitol, vorbei am Theater des Marcellus
zu Santa Maria in Cosmedin, mit dem berühmten ‘Bocca
della verità‘. Weiter über die Tiberinsel
bis zur Piazza Santa Maria in Trastevere. Dort kann dann –
in herrlich lebendigbunter Atmosphäre – getafelt
werden.
Heini Kieselmann erweist sich erneut als pragmatischer Optimierer.
Gibt zu bedenken, dass das Mittagessen dann zu weit in den
Nachmittag fallen würde und schlägt vor, das Ganze
gerade andersrum anzugehen. Recht hat er. Also nehmen wir
den Bus Nr. 49 bis zur Piazza Rissortimento, steigen dort
um und lassen uns nach Trastevere chauffieren.
Ich habe mir extra mein Superteleobjektiv mitgenommen um evtl.
ein wenig Paparazzi spielen zu können, oder die vielen
schönen Details rauszupicken, die es in Rom haufenweise
zu fotografieren gibt. Allerdings muss ich zugeben, es ist
schon ätzend mit so einem ‘Elefantenpimmel’
zu flanieren. Eigentlich müsste man dazu ganz alleine
auf Tour gehen und sich ausschließlich der Fotografie
widmen. Wir aber sind eine fröhliche Gruppe, die keine
Rücksichten auf schnappschuss- oder dekorverliebte Romspinner
nehmen kann. Also fotografiere ich zwar mit dem langen Rohr,
aber eben nur ein bisschen.
Dem Rest der Gruppe ist die
Suche nach einem Ristorante, das Entdecken eines lauschigen
Plätzchens fürs Mittagsmahl wichtiger. Die Mägen
knurren, die Überzeugung wächst, auf der Piazza
wahrscheinlich keinen Platz für 16 Hungrige zu bekommen,
also bevölkern wir ein Lokal auf dem Weg dorthin.
Wie gut, dass man in Rom diesbezüglich eigentlich nichts
falsch machen kann. Auch in diesem Lokal ist das Preis-Leistungs-Verhältnis
wirklich O.K., die Speisen lecker und der Vino di casa kostet
sogar nur 5 Euro pro Liter. Molto bene!
Frisch gestärkt bummeln wir weiter auf antiken Pfaden.
Dem Tiber entlang zu dessen schönster Biegung, der Tiberinsel.
Viel Zeit zum Verweilen bleibt allerdings nicht, denn inzwischen
haben wir uns entschlossen auch das Kolosseum noch in unsere
Tour einzubeziehen. Das werden wir am nächsten Tag nämlich
nur von außen besichtigen. Die Gruppe möchte aber
gerne einen Blick ins Innere werfen.
Vorbei an vielen pittoresken Ecken, Winkeln, Ruinen. Wir befinden
uns hier in jenem Viertel, in dem in der Antike die Handelsschiffe
allerlei Waren in die Stadt brachten. Hier waren also die
großen Märkte, von denen noch so manches dekorative
Fragment das Touristenauge erfreut.
Ich führe die tapferen Romwanderer zu Santa Maria in
Cosmedin mit der brühmten Faunmaske ‘Bocca della
verità’ (Mund der Wahrheit) aus dem 5. vorchristlichen
Jahrhundert, von der die Geschichtsschreiber erzählen,
dass all jenen, die einer Lüge überführt waren,
die Hand abgebissen wurde (das Schwert des Scharfrichters
hat da wohl etwas nachgeholfen). Auf alle Fälle macht
sich so ein Foto immer gut im Erinnerungsalbum. Also stellen
wir uns in die überschaubare Schlange.
Eine junge Frau mit zu Büscheln gebundenem grasgrünen
Haar und Piercingschmuck sticht mir die ganze Zeit ins Auge.
Sie will ich gerne vor der Maske erwischen. Hier ist mein
Riesentele eher hinderlich. Der Ausschnitt ist zu klein, die
Belichtungszeit zu lang.
Leider wird deshalb nur ein Wackelbild daraus. Und trotzdem:
Fast wirkt die Szene wie ein Gemälde. Und auf alle Fälle
hat hier Faun zu Faun gefunden. Reicht die Antike der Neuzeit
die Hand.
Vorbei am Theatro des Marcellus, hoch zum Kapitolsplatz.
Ein Blick auf die legendären Statue der säugenden
Wölfin mit Romolus und Remus; ein kurzes Verweilen zwischen
der Reiterstatue des Marc Aurel, vor der herrlichen Fassade
des Rathauses – übrigens ein Werk von Michelangelo.
Noch schnell ein Blick über das Forum Romanum, das wir
morgen noch besuchen werden, weiter an den Kaiserforen vorbei,
nähern wir uns dem letzten Ziel des häutigen Tages,
dem Kolosseum.
Wir haben Glück, müssen nur wenige Minuten in der
Kassenschlange stehen, bevor wir die monumentalen, geschichtsträchtigen
Gemäuer betreten dürfen. Auch am Kolosseum wurden,
anlässlich des Heiligen Jahres, weit reichende Renovierungen
vorgenommen. So gibt es jetzt einen Fahrstuhl, die Besichtigungsgalerien
sind neu strukturiert, ca. 20-25% des Bodens sind auf der
Höhe des ehemaligen Stadionniveaus mit einer Holzbühne
versehen. Auch kann man auf einem Weg mitten über den
Bereich gehen, in dem die unterirdischen Räume für
die Gladiatoren, die Zellen für die Gefangenen und die
Käfige der wilden Tiere untergebracht waren.
Vom Kolosseum gibt’s diesmal kaum Bilder, denn für
dieses Monument braucht man eher ein Weitwinkel- denn ein
Teleobjektiv. Wie gut, dass Heini hier – wie viele andere
Motive auch – aushelfen konnte.
Jeder hat in seiner ‘Festplatte’ im Kopf die Vorstellung
dieses gigantischen Bauwerkes. Sicher ist es spannend sich
vorzustellen, was hier alles stattgefunden hat. Die Kämpfe:
Tier gegen Tier, Tier gegen Mensch und Mensch gegen Mensch.
Mit ihrem fast immer grausigen Ende und dem ohrenbetäubenden
Johlen der 50.000 auf Sitzplätzen verharrender und weiteren
20.000, sich auf den billigen Stehplätzen drängelnder
Römer. Der interessierte Leser nehme also bitte seinen
Rom-Reiseführer zur Hand und lese dort nach, wenn’s
denn beliebt.
Inzwischen ist es Zeit an die ‘Heimreise’ zu denken.
Eigentlich sind wir gut in der Zeit, wir erwischen auch gleich
einen Bus, der uns zur Piazza Venezia bringt und von dort
– das wissen wir als eingefleischte Romreisende inzwischen
– geht der 46er ab, der uns wiederum direkt zur Villa
Angeli bringt. Bringen sollte, könnte, müsste; denn
wir finden auf der riesigen Piazza Venezia die Haltestelle
des 46er nicht!
Dafür finden wir heraus, dass der 82er zur Piazza Rissortimento
fährt, und von dort wird uns der 49er sicher zur Via
Aurelia bringen.
Genau so kam es dann auch. Leider dauerte alles ein wenig
länger als geplant und wir laufen, mehr oder minder verschwitzt,
aber ‘just in time’, im Bonus Pastor ein um –
welch Überraschung – erneut Fladenfleisch mit Thymiankartoffeln
vorgesetzt zu bekommen. Nicht jedem hat’s geschmeckt,
aber Schwamm drüber. Wenn das alles ist, was es in diesen
Tagen zu kritisieren gibt, können wir uns glücklich
schätzen.
Sonntag, 27. April 2003
Heute wird es ein großer Tag werden. Nicht nur, dass
bis ca. 14.30 zwei Stadtführungen, das Antike Rom und
das Romantische Rom auf dem Programm stehen. Um 17.30 Uhr
findet zudem unser Konzert im Petersdom statt.
Wir fahren mit Heidi zum Kolosseum. Sie erzählt von den
nur 7 Jahren Bauzeit. Von der Tatsache, dass dieses Stadion
schon damals – mittels einer genialen Konstruktion aus
Seilen und Segeltuch – überdacht werden konnte.
Dass überall dort, wo in der noch stehenden Originalfassade
große Löcher klaffen, die Römer nicht nur
die Marmorplatten der Verkleidung, sondern auch die Befestigungsbolzen
aus Bronze ausgebrochen und recycelt haben. In den Innenraum
gehen wir nicht. Dafür bleibt keine Zeit.
Dafür bekommen wir ein paar Minuten, das Kolosseum in
Ruhe zu betrachten. Ich muss das nun nicht haben und schnappe
mir unser Top-Model Angela, um ein Foto mit den stets um Euros
heischenden ‘Papp-Gladiatoren’ zu schießen.
Wir kratzen ein Paar Münzen zusammen und ich bittte Edelgard
Kälber diese – in der trügerischen Hoffnung
bei einer Dame würde es preiswerter – den Herren
zu überreichen. Ich knipse meine Bilder, werde bei der
Befreiung unserer Schönen aus den Klauen des Unholdes
um 10 Euros erleichtert (Fixpreis), sogleich gepackt, mit
einem Goldhelm und Schwert versehen und in wilde Kämpfe
verwickelt. Ein Mordsspaß das Ganze und die 10 Euro
wert. Heidi führt uns die Via Sacra, die Heilige Straße
hoch zum Titusbogen, dem kleinsten, der aus der Antike erhaltenen
Triumpfbögen. Ich bin etwas irritiert, denn ich kannte
den Eingang zum Forum Romanum an anderer Stelle. Noch irritierter
bin ich, als mir klar wird, dass die Begehung des Forum keinen
Eintritt kostet. Dazu Heidi: «Derlei Dinge ändern
sich hier ständig. Den Romführer, den Sie letztes
Jahr gekauft haben, können Sie – zumindest in Bezug
auf Öffnungszeiten und -Modalitäten – vergessen.
Und so lange dieser Bürgermeister regiert, wird es keinen
Eintritt fürs Forum geben. Aber wer weiß, wie lange
er noch regiert …»
Schade eigentlich, dass es jetzt keine Audioführungen
mehr gibt. Heidi erzählt zwar viel von der Bedeutung
des Forum als Zentrum der Macht im Römischen Reich, von
der Stellung der Vestalinnen, den Tempeln und Foren, aber
das Meiste ist auch schnell wieder aus dem Kopf.
Auch heute habe ich wieder nur ein Teleobjektiv dabei, wenn
auch ein kleineres. Also wieder nur Details. So zum Beispiel
das noch im Original erhaltene Bronzetor des Romolus-Tempels.
Immerhin auch schon 1.700 Jahre alt. Man kann davon ausgehen,
dass alle Monumente, die noch heute in so gutem Zustand erhalten
sind, dies nur der Tatsache verdanken, dass irgendein Kaiser
sie zu christlichen Kirchen umfunktioniert hat. So auch das
Portal des Romolus-Tempels, das heute die Rückwand einer
Kirche darstellt.
Was Rom für die Entwicklung Europas bedeutet hat und
noch immer bedeutet, wird an einem banalen Detail sichtbar.
Schaut man heute auf die Kanaldeckel der Stadt, wird man überall
die vier Buchstaben SPQR lesen. „Senatus Populus que
Romanum“, dem Senat und dem Volk von Rom“. Exakt
jener Inschrift also, die schon auf dem Apollotempel im Forum
in Marmor
Textauszug
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