| Kunde:
Raiffeisenbank Odenheim-Tiefenbach e.G.
Text: Werbemittel zum 100jährigen Jubiläum
Textauszug
aus dem historischen Part der Broschürre
Der
Ländliche Kreditverein Tiefenbach e.G.m.u.H.
Am 9.
April 1896 war es in Tiefenbach soweit. 46 Gründungsmitglieder
hoben den Ländlichen Kreditverein Tiefenbach e.G.m.u.H.
aus der Taufe und bestellten Karl Theodor Emmerich zu ihrem
ersten Vorstand, Karl Philipp zu dessen Stellvertreter und
Moritz Mildenberger zum 3. Vorstand. Erster Rechner des Vereins
wurde Adrian Vetter.
Die
‘Bank’ in der guten Stube!
Natürlich
sah der Geschäftsbetrieb damals noch etwas anders aus.
Alle Führungspersönlichkeiten des neu gegründeten
Vereins arbeiteten ehrenamtlich und der Rechner erledigte
seine Tätigkeit in aller Regel in der heimischen guten
Stube. Schon bald entwickelte sich der genossenschaftliche
Gedanke weiter und so war es nur folgerichtig, dass 1913 die
‘Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft’
und 1920 die ‘Milchabsatzgenossenschaft’ ins Leben
gerufen wurden. Ganz nach dem Motto: Vereint sind auch die
Schwachen mächtig!
Von
mageren und von fetten Jahren
Zwei Weltkriege,
die Inflation, zerstörte Städte – die Geschichte
der ersten Jahrhunderthälfte warf lange Schatten auf
uns alle. In diesen Jahren hielten Männer wie Bürgermeister
Johann Emmerich, Johannes Anton Heitlinger und Karl Ochs,
um nur einige wenige zu nennen, den Betrieb aufrecht und leisteten
effektive und fruchtbare Arbeit. Auch die Änderung der
Firmierung (1930) in ‘Spar- und Darlehenskasse e.G.m.u.H.’
fiel in diese Zeit. Das ‘u.H.’ stand damals übrigens
für ‘unbeschränkte Haftung’. Erst 1952
fiel das ‘un’ den modernen Zeiten zum Opfer. Das
waren die Jahre, in denen Johannes Anton Emmerich und Norbert
Kempf das Gesicht der Bank entscheidend prägten.
Mit
dem Wirtschaftswunder kam die Bank heutiger Prägung
Die ‘modernen
Zeiten’ machten natürlich auch vor Tiefenbach nicht
Halt. Das Warengeschäft der Genossenschaft wurde sukzessive
geringer, dafür steigerte sich der Kapitalbedarf der
aufstrebenden Volkswirtschaft von Jahr zu Jahr. Und 1974 entschloss
man sich in Tiefenbach – um gemeinsam noch mehr erreichen
zu können –, mit der Raiffeisenbank eG Odenheim
zu fusionieren.
1 US-Dollar
= 1 Billion Reichsmark (Eine Eins mit zwölf Nullen!)
Als 1924
die Inflation diesen traurigen Höhepunkt erreicht hatte,
war die Schmerzgrenze vieler Odenheimer Bürger erreicht.
Am 5. Oktober 1924 ergriff man die Initiative und gründete
– als Selbsthilfe-Einrichtung – die ‘Spar-
und Darlehenskasse Odenheim eGmbH’. Gemeinsam hoffte
man, die schweren Zeiten besser meistern zu können. Verbandsoberprüfer
Ludwig Schaber war nicht nur eine schillernde Persönlichkeit,
sondern die Tatkraft in Person. Ohne sein Wissen, seine tätige
Hilfe wäre dieser Kraftakt kaum möglich gewesen.
Ihm gebührt noch heute unser aller Dank. Aber auch Josef
Stricker, Edmund Hammer, Karl Fröhlich, Emil Winter,
Alexander Friedrich, Anton Lutz, Karl Pfeiffer, Emil Fersching
und vor allem Otto Fröhlich haben ihre ganze Tatkraft
in die Genossenschaft gesteckt. Später setzten Josef
Fröhlich und Robert Scheuring deren Werk erfolgreich
fort.
1944,
Genossenschaft und Bank werden eins
Die Entwicklung
unserer Bank in Odenheim ging – wie bei fast allen vergleichbaren
Betrieben – den Weg der Zusammenlegung von Genossenschaft
und Bank. So überstand man auch jene harten Zeiten, in
denen die Bürger der ‘Währung’ Zigarette
mehr Vertrauen schenkten als dem Geld dieser Tage. Als dann
am 4. Juni 1965 die Bank mit der LEVG Eicherberg fusionierte,
war all das schon wieder der berühmte ‘Schnee von
gestern’. Das Wirtschaftswunder hatte seine Schuldigkeit
getan.
Als
der Großherzog beim Bauern Mildenberger vorbeischaute
Aus dem
verklärten Blickwinkel der Geschichte sind die Episoden
aus der ‘guten alten Zeit’ immer amüsant.
So wie jene Überlieferung, die vom Großherzog erzählt,
der regelmäßig ‘seine’ Gemeinden besuchte.
In Eicherberg traf er so den Bauern Mildenberger, der mit
seinen 13 Kindern vor dem Hof posierte. »Ja Mildenberger«,
staunte der Herzog, »g’höre die denn alle
dir?« »Ja Großherzog«, antwortete
der Bauer. »Aber ich heb Pech g’hatt, der Sturm
hat’s Schairetor umgrisse und alle erschlage bis uff
die dreizehne!« Wahrheit? Dichtung? Vielleicht dazwischen.
Unbestritten ist aber: E… war bis in die Anfänge
dieses Jahrhunderts eine bitterarme Gemeinde. Man hatte kein
Wasser im Ort und das aus dem Tal war wegen der ungünstigen
Bodenverhältnisse so schlecht, dass es sich weder zum
Waschen noch zum Kaffeekochen eignete. Wie anders ist das
doch heute. Alte Fachwerkhäuser stehen hoch im Kurs;
Ruhe wird auf dem Land gesucht und moderne Verkehrsmittel
haben die Wege schrumpfen lassen. Zu all dem durfte die Bank
am Ort ein wenig beitragen. Das erfüllt uns mit Freude
und mit ein wenig Stolz.
(Auszug)
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